Die Schlangenkönigin von Judenburg

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In einem sonnseitig gelegenen Steinbruch auf dem Weg von Eppenstein nach Kathal im Bezirk Judenburg wimmelte es vor langer Zeit von Schlangen. Manchmal soll dort eine weiße Schlange mit einem Krönlein auf dem Haupt zu sehen gewesen sein. Es handelte sich dabei um eine Schlangenkönigin, die man nur alle hundert Jahre einmal findet. Die Schlangenkrone besaß Zauberkräfte und wurde von Zwergen im Inneren der Berge geschmiedet.


In der Nähe des Steinbruches befand sich die Hütte eines armen Steinbrechers, der dort mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter wohnte. Das Mädchen löffelte oft vor der Tür eine Schale Milch mit Brotstücken darin.


Eines Tages kam eine Schlange, vom Duft der Milch angelockt, herbeigekrochen und leckte begierig an der Schale. Das Mädchen sah eine Weile zu und ermahnte die Schlange dann, doch auch die Brotstückchen zu essen. Als diese nicht auf die Kleine hören wollte, schlug das Mädchen der Schlange mit dem Löffel das Krönlein vom Kopf. Die Schlangenkönigin aber kroch eilig davon. Die Mutter der Kleinen, die das Ganze mit angesehen hatte, war entsetzt, doch das Mädchen plapperte fröhlich und zeigte das glitzernde Krönlein her.


Am Abend saßen die Steinbrecherleute beisammen und bewunderten das schimmernde Schmuckstück, das ganz aus Gold und Edelsteinen angefertigt war. Plötzlich hörten sie ein unheimliches Zischeln und Rasseln und als die beiden aufsahen, bemerkten sie ein Heer unzähliger wütender Schlangen, die ihre Fenster belagerten. Nach einer halben Stunde, in der die zwei Leute regungslos dagesessen hatten, kam dem Mann ein rettender Gedanke. Er schleuderte die Krone aus einem kleinen Schiebefenster, und sofort zogen die Schlangen ab.


Am nächsten Morgen fanden die Steinbrecherleute im Gras vor der Tür eine unbewegliche, große, weiße Schlange. Es war die Schlangenkönigin, die von ihren Gefährtinnen getötet worden war, weil sie die Krone verloren hatte. Es müssen aber wieder hundert Jahre vergehen, bis die Schlangen eine neue Königin finden werden.

Ein Marmorsteinbruch - Steindy aus der deutschsprachigen Wikipedia commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0
Die sagenumwobene Figur der Schlangenkönigin auf einer Schweizer Münze - Peter Emch commons.wikimedia.org, CC0 1.0
Die Statue eines Steinbrechers zeigt, wie schwer diese Arbeit war. - Immanuel Giel commons.wikimedia.org, CC0 1.0

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