Graffiti

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Graffiti (Einzahl: Graffito – aber meistens wird das Wort in der Mehrzahl benutzt) steht als Sammelbegriff für Bilder, Schriftzüge oder sonstige Zeichen, die von Personen privat oder öffentlich – meist sehr kunstvoll - angefertigt werden. Vorwiegend entstehen sie anonym (das bedeutet: ohne Name) und ohne Einverständnis des Besitzers der entsprechenden Fläche. Das kann mitunter jedoch sehr teuer werden...

Graffiti am Donaukanal in Wien - Foto: Merkurion commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0


noch ein Graffiti am Wiener Donaukanal... - Foto: Silvano En. commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0


Die Anfänge – Taki 183

Graffiti, so wie wir es heute kennen, entstand in New York, am Ende der 60er Jahre. Damals entdeckten die Menschen auf den Wänden der U-Bahn Waggons den Namen „Taki 183“. Aber nicht nur dort, auch U-Bahn Stationen blieben nicht verschont und der mysteriöse Name „Taki 183“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Aber wer war nun dieser geheimnisvolle Taki 183?

Nun, dabei handelte es sich um einen in New York lebenden Griechen, namens Dimitrios. (Spitzname Taki) Zu jener Zeit arbeitete er als Bote in der Stadt die niemals schläft und musste weite Strecken mit der U-Bahn zurücklegen. Dabei nutzte er jede Gelegenheit, um seinen Namen zu verewigen. Die „183“ kam übrigens von seiner Adresse: 183rd Street, Washington Heights, Manhattan.

Die Menschen New Yorks begannen über Taki 183 zu sprechen und im Jahre 1971 gab dieser der Zeitung „New York Times“ sein erstes Interview. Das war der Startschuss für die Graffiti-Kunst und ihren Einzug in die Öffentlichkeit. Wie so häufig, wenn Kunst öffentlich wird, entsteht ein Wettbewerb. Viele Jugendliche erkannten, dass sie – wie Taki 183 – Ruhm durch Graffiti-Kunst erreichen könnten. Bald darauf waren sämtliche U-Bahn Stationen der Stadt von Graffitis übersäht. Jugendliche wetteiferten miteinander um die besten Flächen, Popularität und Anerkennung.

Taki's "Tag" - CCecilia commons.wikimedia.org, CC0 1.0



Keith Haring

Fast gleichzeitig mit der Graffiti-Kunst entstand in New York auch noch eine andere Bewegung, der Hip Hop.

Ein junger Künstler war sehr interessiert an den Stil- und Ausdrucksformen dieser Szene. Er entwickelte und zeichnete einzigartige Charaktere und Figuren. Diese druckte er vorwiegend auf Poster und verteilte diese an öffentlichen Plätzen. Als die Graffiti-Bewegung jedoch explodierte, begann auch er an U Bahn-Wänden und anderen bekannten Orten zu malen. So konnten noch viel mehr Menschen seine Kunst sehen. Und die war so gut und kreativ, dass er aufgefordert wurde in Galerien auszustellen und Bücher zu schreiben.

Keith Haring war einer der großen Vorreiter dieser Kunstform.

Keith Haring Figuren am Berliner Potsdamer Platz - Keith Haring Foto:Abulic Monkey commons.wikimedia.org, CC BY 2.0


Bewegungen verschmelzen

Hip Hop, Break Dance und die Rap-Kultur gehen Hand in Hand mit der Graffiti-Bewegung und sind auch heute noch sehr stark miteinander verbunden. All diese Szenen oder Bewegungen sind Ausdruck einer gewissen Rebellion – also Auflehnung. Meistens geht diese gegen die sozialen Verhältnisse in denen die Menschen heute leben.

Weltgrößtes Graffiti-Objekt war die Berliner Mauer - Noir aus der deutschsprachigen Wikipedia commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0


Bahnbrechende Zeiten

Nachdem das so genannte „Tagging“ (= engl. für: Erkennung) sowie Taki 183 es vorgemacht hatte immer gängiger wurde, begannen die Künstler an ihren Graffitis zu feilen und sie ausgefallener zu machen. Die so genannten „Style Wars“ (= engl. für Stil Kriege) brachen aus und die Künstler brachten Farbe und eigene Stile in ihre „Tags“ mit ein. Wurden davor noch Marker-Stifte für Graffitis benutzt, so stiegen die Künstler nun auf Sprühfarbe um. Mit den neuen Stilen entwickelte sich auch eine eigene Sprache. Neue Worte wie „wild-style“, „racking“, „toy“ und „piece“ wurden geprägt. (wilder Stil, Abzug, Spielzeug und Stück)

Heute können wir davon ausgehen, dass mit dem Wechsel von Stift zur Spraydose, Graffiti zur – zum Teil - allgemein und öffentlich akzeptierten Kunstform wurde.

Graffiti in der Burggasse98 - Foto: Maclemo commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0


Anerkennung der Medien

Speziell in den 80er Jahren unterstützten die Medien die Hip Hop und Graffiti Kultur und es wurden viele Bücher und Filme darüber herausgebracht. Europa und der Rest der Welt wurden aufmerksam. Als ein Gesetz gegen Graffiti Künstler verhängt wurde, verzogen sich diese aus den U-Bahn Stationen und verlegten ihre Arbeitsplätze in die Stadt.

Sie fingen an ihrer Kunst überall nach zu gehen, wo eine Fläche ihnen die Möglichkeit gibt sich künstlerisch zu verwirklichen.

Straßenbahn in Hamburg macht Werbung für Chewan Jeans im Graffiti Style - LosHawlos commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0


Der Gedanke

Graffiti wurde von Kindern und Jugendlichen geboren, die sich gegen das gesellschaftliche System auflehnen wollten. Ihnen wurde erklärt (in der Schule, von ihren Eltern, der Obrigkeit), dass sie kein Talent, keine Kultur und keine Kreativität hätten. Das System verlangte, dass sie sich ruhig verhalten, namenlos bleiben und so zu tun, als sei alles okay. Hip Hop und Graffiti entstand als Gegenbewegung dazu und legte die Wahrheit offen:

Nämlich, dass diese Kinder und Jugendlichen sehr wohl Talent hatten! Dass sie mit einer originellen Kreativität gesegnet waren. Und, dass sie Geschichten zu erzählen hatten. Wichtige und bedeutsame Geschichten.

Heute haben Graffitis sich zu faszinierenden und ausgeklügelten Designs entwickelt. Viele Menschen betrachten sie nicht mehr als bloßen Akt des Vandalismus, sondern als das was sie sind und immer waren – Kunst und Ausdruck.

mit Schablonen angefertigtes Graffiti - Foto: Ufo Snake commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0


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