Die Dienstbotenmuttergottes

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Einst lebte in Wien eine reiche, adelige Dame, die nach außen einen lieben und gutherzigen Eindruck machte. Zu ihren Dienern und Zofen war sie aber sehr unfreundlich. Niemals lobte sie ihre Angestellten, gab ihnen nur Abfälle zu essen und bezahlte sie schlecht. Bei den kleinsten Ungeschicklichkeiten wurden sie sehr hart bestraft.


Eines Tages konnte die strenge Herrin eine wertvolle Halskette nicht finden. Natürlich dachte sie sich, dass eine der Zofen sie gestohlen hatte. Ganz konkret hatte sie ein armes, junges Mädchen im Verdacht, dass noch nicht lange für sie arbeitete. Sie erteilte an ihre längste Dienerin den Auftrag, alle Kästen und Truhen zu durchsuchen, um das kostbare Schmuckstück zu finden. Aber es wurde nicht gefunden.


Die hartherzige Gräfin war sich sicher, dass das junge Mädchen die Diebin war und sagte zu ihr: „Gib mir meine Halskette zurück, du Diebin, oder ich rufe die Wache und lasse dich ins Gefängnis werfen!“ Die beschuldigte Zofe war verzweifelt. Wie konnte sie ihre Unschuld beweisen? Sie lief in die Hauskapelle, kniete vor der Marienstatue nieder und weinte bitterlich. Sie flehte die Madonna an, sie doch aus dieser misslichen Lage zu befreien. Die strenge Herrin beobachtete sie bei ihrem Gebet und regte sich fürchterlich darüber auf, dass eine Dienstmagd es wagte, ihre persönliche Hauskapelle zu betreten und sich vor ihre Madonnenstatue zu knien. Daraufhin rief sie sofort nach der Polizei.


Der Polizist befragte das Mädchen und dieses betonte wiederholt seine Unschuld. Der Wachbeamte glaubte der jungen Zofe und ordnete erneut eine Hausdurchsuchung an. Diesmal wurde die wertvolle Kette gefunden. Ein Reitknecht der Gräfin hatte den Schmuck in seiner Kammer versteckt. Er gestand, dass die reiche Adlige die Kette verloren hatte, als sie auf ihr Pferd stieg. Er bemerkte den Verlust und eignete sich die Kette an, um sie später zu verkaufen, denn er verdiente sehr wenig. Der Reitknecht wurde von den Polizisten sofort ins Gefängnis gebracht.


Die Gräfin war sehr verärgert, dass sich ihr Verdacht nicht bestätigt hatte. Sie jagte die unschuldige Magd aus dem Haus. Auch wollte sie die Madonnenstatue nicht mehr behalten, denn sie konnte ihren Anblick nicht länger ertragen. Die Adlige gab den Befehl die Statue zum Stephansdom tragen zu lassen. Die Geschichte der unschuldigen Magd sprach sich schnell herum. Viele kleine einfache Leute kamen seither zu der Marienstatue, um Hilfe zu erbitten. Deshalb erhielt die Statue den Namen Dienstboten-Muttergottes.

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Eine wertvolle Halskette - Kerstin Riemer pixabay.com, CC0 1.0
Die Dienstbotenmuttergottes im Stephansdom - Jim.kovic commons.wikimedia.org, CC0 1.0

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