Spinne

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Spinnen gibt es seit ungefähr 300 Millionen Jahren, also lange bevor es die ersten Dinosaurier gab.

Im Moment bewohnen etwa 35 000 (fünfunddreißigtausend) Spinnenarten unseren Planeten. Manche Schätzungen gehen sogar von doppelt so vielen Arten aus.

Die meisten Spinnen kommen in den Tropen und Subtropen vor. In Mitteleuropa gibt es immerhin etwa 850 Spinnenarten.

Spinnen bewohnen nahezu alle Lebensräume an Land. Einige Spinnenarten jagen auch auf Gewässern, aber nur eine, die Wasserspinne verbringt die meiste Zeit ihres Lebens im Wasser. Das gelingt ihr mit Hilfe einer selbstgebauten Luftglocke.

Vogelspinne - JakeWilliamHeckey pixabay.com, CC0 1.0



Arachnida

Arachnida ist der lateinische Name der Spinnentiere. Er geht auf eine griechische Sage zurück, die von einer meisterhaften Weberin namens Arachne erzählt. In ihrem Hochmut forderte diese die griechische Göttin Athene zu einem Wettstreit heraus.

Die Spinnenkunde heißt wissenschaftlich Arachnologie.

Wissenschafter, die sich mit Spinnen beschäftigen, nennt man Arachnologen.

Arachnophobie bezeichnet die panische Angst vor Spinnen.

Die Sage von Arachne

Die kleinasiatische Landschaft Lydien war berühmt für ihre Webarbeiten und den herrlichen Purpur, mit dem Stoffe und Wolle gefärbt wurden.

Hier lebte ein junges, hochmütiges Mädchen namens Arachne. Alle rühmten ihre vollendete Webkunst und meinten, die Göttin Pallas Athene selber habe sie darin unterwiesen.

Arachne jedoch behauptete hochmütig, dass sie sich selbst mit Pallas Athene messen könne, und forderte die Göttin zu einem Wettkampf heraus. Jede webte einen Teppich. Die Göttin stellte das schlimme Schicksal sterblicher Menschen dar, die sich vermessen gegen die Götter auflehnten. Arachnes Teppich war ein Spottbild auf die Liebesabenteuer der unsterblichen Götter.

Athene erkannte, dass beide Arbeiten gleichwertig waren. Aber voller Zorn über die Anspielungen auf dem Teppich schlug sie das hochmütige Mädchen mit ihrem Weberschiff. Vor Scham und Entsetzen über diese Demütigung nahm Arachne einen Strick, um sich zu erhängen.

Als sie bereits sterbend in der Schlinge hing, wurde Athene von Mitleid ergriffen. Sie schenkte ihr das Leben, verwandelte sie jedoch in eine Webspinne.

Tarnung einer weißen Spinne - JensG pixabay.com, CC0 1.0




Der Körperbau

Eine Spinne hat eine zwei-teilige Körpergliederung: Am Vorderkörper sitzen 8 Laufbeine, 2 Taster, 8 Augen, sowie ein Paar Giftklauen. Am Hinterleibende befinden sich Spinnwarzen.

Im Inneren des Vorderkörpers befindet sich das Gehirn der Spinne, die Giftdrüse, deren Ausgänge in die Spitze der Kieferklauen münden und ein Saug-Magen mit kräftigen Muskeln.

Im Hinterleib liegt das schlauchförmige Herz, der Darm, die Buchlungen, die Geschlechtsorgane und viele verschiedene Spinndrüsen, die in den Spinnwarzen münden.

Die kleinste Spinne, die es auf der Welt gibt, ist nicht größer als der Punkt am Ende dieses Satzes. Dagegen nimmt die größte Spinne ungefähr den Platz eines ganzen Blattes (Din A4 Seite) ein.

Zum Beispiel ist eine Vogelspinne ungefähr so groß wie ein Hühnerei!

Körperbau der Webspinne - Spider_internal_anatomy-en.svg: *Spider_internal_anatomy.png: John Henry Comstock commons.wikimedia.org, CC BY 3.0


Der Beutefang

Spinnen fressen hauptsächlich Insekten und andere Spinnen. Durch ihre hohe Bevölkerungsdichte sind sie die wichtigsten Insektenvertilger die wir haben.

Spinnen fangen ihre Beute auf recht unterschiedliche Weise.

Es gibt die umherlaufenden, jagenden Spinnen. Diese lauern ihrer Beute auf, um sie dann aus nächster Nähe zu greifen. Oder sie jagen hinter ihrer Beute her, um sie dann im Lauf oder Sprung zu überwältigen.

Die sesshaften Spinnen warten in ihren Fanggeweben (z.B. Radnetz) auf Beute. Der Vorteil dieser Methode ist, dass auch größere Beute geschlagen werden kann.

Durch einen Biss mit den Giftklauen wird in die Beute Gift injiziert und dadurch gelähmt oder getötet.

Anschließend wickeln einige Arten ihre Beute ein, um sie unbeweglich, oder bei Nahrungsüberfluss haltbar zu machen. Andere wiederum beginnen sofort mit dem Fressen.

Da Spinnen am Mund keine Kauwerkzeuge, wie etwa Zähne haben, können sie nur flüssige Nahrung aufnehmen.

Auch hier lassen sich die Spinnen wiederum in zwei Typen einordnen:

  • Der erste Typ spritzt einen Verdauungssaft in das Beutetier und saugt es anschließend aus, sodass nur die leere Hülle übrig bleibt.
  • Der zweite Typ spuckt den Verdauungssaft über das ganze Beutetier und schlürft dieses ganz ein. Zurück bleibt nur ein unförmiger Klumpen unverdaulicher Panzerreste.
    Diese Art der Verdauung heißt "Verdauung außerhalb des Körpers" ("Extraintestinale Verdauung") und ist eine Besonderheit der Spinnen.
    Das Einsaugen geschieht durch Zusammenziehen der großen Muskeln am Saugmagen.
Spinne lauert ihrer Beute auf - Ben_Kerckx pixabay.com, CC0 1.0


Die Fortpflanzung

Bevor das Spinnenmännchen auf Partnerinnensuche geht, spinnt es sich ein kleines Netz und setzt darauf aus seiner Geschlechtsöffnung einen Tropfen Sperma ab. Anschließend saugt er diesen in seinen Bulbus (das dickliche Ende seines Tasters = Spermareservoir und gleichzeitig Paarungsorgan) ein und wird damit paarungsbereit.

Der Paarung geht oft eine komplizierte Balz voraus, wie etwa der Balztanz von Spring- und Wolfspinnen. Die Jagdspinnen überreichen statt dessen ein Paarungsgeschenk in Form einer Fliege.

Die Balz hat das Ziel, das Weibchen paarungswillig zu machen, damit es zu keinem „Unfall“ kommt. Schließlich möchte das Männchen nicht versehentlich auf der Speisekarte des Weibchens landen.

Sind beide Partner bereit, kommt es zur eigentlichen Paarung. Bei dieser führt das Männchen zur Spermaübertragung abwechselnd die Bulben in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Die Art und Weise ist wieder familienspezifisch.

Ist die Paarung vorbei, beeilt sich das Männchen von seiner Partnerin fortzukommen. Da er meist kleiner ist als sie, ist er im Nu für das Weibchen nur noch potentielle Beute.

Auch wenn die Männchen erfolgreich einem „Gattenmord“ entkommen sind, so bleibt ihnen nur noch kurze Zeit zu leben.

Bei den Weibchen dagegen schwillt in den nächsten Wochen der Hinterleib stark an, und es kommt zur Eiablage. Dabei spinnt das Weibchen einen kleinen seidenen Teppich und legt ihre bis zu hundert oder tausend Eier darauf ab.

Zum Schluss wird er zu einem mehrschichtigen Sack (Kokon) zusammengesponnen. Dieser wird in der Vegetation, einem Schlupfwinkel oder an die Spinnwarzen gehängt, bewacht oder seltener seinem Schicksal überlassen.

Nach mehreren Wochen schlüpft dann eine neue Generation von Spinnen heraus.

Spinnen bei der Fortpflanzung - BWjun commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0






Die Entwicklung

Spinnen beginnen ihr Leben in einem winzigen Ei, das einzeln, meist jedoch mit mehreren (10 – 1000 Eier) zusammen in einem Kokon abgelegt wurde.

Dieser Kokon wird von der Mutter aus seidenen Fäden hergestellt. Er schützt die Eier vor Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit, Kälte, Überhitzung oder Räubern. Oft bleibt die Mutter bis zum Schlüpfen der Jungtiere beim Kokon, trägt ihn mit sich herum oder bewacht ihn von einem sicheren Schlupfwinkel aus.

Wenn die kleinen Spinnen aus ihren Eiern schlüpfen, sind ihre Organe noch nicht vollständig entwickelt. Deshalb müssen sie noch eine Weile im Kokon bleiben.

Nach dem Verlassen des Kokons beginnen sie sofort damit, sich in alle Winde zu zerstreuen. Das geschieht mit einem so genannten Flugfaden.

Mit Hilfe dieses Fadens können Spinnen (Jungspinnen und kleine Arten) Strecken von mehreren 100 Kilometern überwinden. Dabei können sie eine Flughöhe über 10 000 Metern erreichen. Bei den dort herrschenden Minusgraden gefriert die Spinne. Sobald sie jedoch den warmen Boden erreicht, erwacht sie zu neuem Leben.

Wenn die kleinen Spinnen nun ihr neues Zuhause erreicht haben, können sie in Ruhe heranwachsen.

Da Spinnen, wie auch Insekten und Krebse, ein starres Außenskelett besitzen, müssen sie sich häuten. Das heißt, sie müssen, um wachsen zu können, ihre alte, zu eng und klein gewordene Haut abstreifen.

Vor einer Häutung wächst den Tieren eine noch weiche, dehnbare und größere Haut darunter. Ist auch diese Haut durch das Wachstum zu klein geworden, wiederholt sich dieser Vorgang bis zur Geschlechtsreife.

Erst bei der letzten Häutung werden die Geschlechtsorgane funktionsfähig angelegt. Danach häuten sich nur noch Vogelspinnen weiter.

Jungspinnen - The original uploader was Ugh at German Wikipedia commons.wikimedia.org, CC0 1.0


Sind Spinnen giftig?

Jede Spinne besitzt Gift. Andernfalls könnte sie keine Beute erlegen.

Allerdings sind für uns Menschen nur ca. 100 Spinnenarten wirklich gefährlich.

Die meisten kommen in Australien und den Tropen bzw. Subtropen (z.B. Griechenland) vor. Die wohl bekanntesten Giftspinnen der Tropen sind die Vogelspinne und die Schwarze Witwe.

In Mitteleuropa gibt es nur zwei Spinnenarten, die auch uns beißen können - die Kreuzspinne und der Dornfinger.

Ihr Gift ist allerdings nicht so stark, dass es uns Menschen wirklich gefährlich werden könnte.

Schwarze Witwe - Angela Rothermann commons.wikimedia.org, CC0 1.0


Giftspinnen

Zu den heimischen Giftspinnen zählen die Kreuzspinne und der Dornfinger.

Die Kreuzspinne hat eine gelbe, orange, rote oder schwarzbraune Grundfärbung. Sie besitzt einen dicken Hinterleib mit einer aus weißen Flecken zusammengesetzten Kreuzzeichnung.

Die Kreuzspinne ist ein wahrer Meister im Bauen von Radnetzen. Wie sie ihr Netz baut, kannst du weiter unten nachlesen.

Das Gift der Kreuzspinne ist für den Menschen grundsätzlich harmlos. Er entspricht etwa einem Wespenstich.

Der Dornfinger hat vor allem in letzter Zeit für einige Schlagzeilen gesorgt.

Die Dornfingerspinnen haben eine grünliche Grundfärbung. Am Rücken befindet sich eine rot-bräunliche bis gelb-schwarze Musterung. Auffällig sind der braune Kopfpanzer und die großen Kieferklauen.

Die Dornfingerspinnen bauen keine Netze, sondern lauern ihrer Beute in der Nacht auf. Deshalb zählen sie zu den Jagdspinnen. Tagsüber schlafen sie in ihrer unten offenen Gespinstglocke, die sie aus Blättern und Halmen mit Hilfe von Spinnfäden bauen.

Wie giftig ist die Dornfingerspinne?

Die Wahrscheinlichkeit, dass du in der Natur auf eine Dornfingerspinne triffst, ist sehr gering. Die Spinnen verstecken sich tagsüber in ihren Behausungen und sind nur nachts unterwegs um Beute zu fangen.

Beißt eine Dornfingerspinne zu um sich zu verteidigen, so schwillt die Wunde rasch an und wird blaurot. Außerdem beginnt sie stark zu schmerzen.

Der Biss darf nur mit kalten Umschlägen selbst behandelt werden. Anschließend sollte ein Arzt aufgesucht werden, der die Bisswunde dann behandeln kann.

Vermeiden kannst du solche Zwischenfälle einfach, indem du beim Wandern durch hohes Gras geschlossene Schuhe und lange Hosen trägst.

Die Gespinstglocken der Dornfingerspinnen sind übrigens leicht zu erkennen - sie haben die Größe eines Taubeneis und sind aus Blättern, Grashalmen und Gespinstfäden gebaut. Diese Wohnhöhlen befinden sich stets im hohen Gras und sind dort in der Höhe befestigt.

Das Radnetz der Kreuzspinne

Von ihrem Sitzplatz aus presst die Kreuzspinne einen Spinnfaden aus den Spinnwarzen, bis dieser, vom Winde erfasst, an einem Gegenstand haften bleibt.

Danach verstärkt sie diese Seilbrücke und lässt sich dann, von der Mitte aus, an einem Faden auf den Boden hinab. Nach der Verankerung entsteht eine Y-förmige Figur.

Um diese drei ersten Speichen baut sie nun einen Rahmen und fügt vom Mittelpunkt aus weitere Speichen ein. Enge Spiralen im Mittelpunkt des Netzes bilden die Warte, auf der sich die Spinne später öfters aufhält.

Es folgt nach außen hin eine weite Hilfsspirale, die dem Tier beim Endausbau des Netzes dienlich ist. Erst danach baut sie die eigentlichen Fangfäden in das vorbereitete Gerüst ein.

Waren bisher alle Spinnfäden trocken und glatt, so spinnt das Tier jetzt von außen nach innen einen klebrigen Faden, die Fangspirale. Dabei frisst sie gleichzeitig die nun überflüssige Hilfsspirale auf.

Das fertige Fangnetz überwacht die Kreuzspinne entweder von der Warte aus oder aus einem, außerhalb des Netzes liegenden, Schlupfwinkel. Mit Hilfe eines Signalfadens kann sie dabei jede Bewegung im Netz erkennen.

Der Netzbau ist eine angeborene Instinkthandlung.

Kreuzspinne - Jürgen Howaldt commons.wikimedia.org, (CC BY-SA 3.0











Die Feinde der Spinne

Trotz ihrer Geschicklichkeit im Beutegreifen und ihres Giftes haben Spinnen Feinde. Zu ihnen zählen andere Spinnen, Vögel, Amphibien und Reptilien. Auch manche Insekten haben sich zum Teil ganz auf Spinnen als Nahrung spezialisiert.

Zum Schutz gegen ihre Feinde tarnen sich manche Spinnen als Blatt oder Grashalm. Einige Krabbenspinnen können sogar die Farbe der Blüte auf der sie sitzen annehmen.

Auch der Mensch ist ein Feind der Spinnen. Spinnen gelten in einigen Teilen der Erde als besondere Leckerbissen. Sie werden roh, gekocht, gebraten oder gegrillt serviert.

Um Feinden zu entgehen, können Spinnen ein oder mehrere Beine abwerfen. Dabei schließt sich die entstandene Wunde sofort. Sie überleben, solange sie sich weiter ernähren können. Haben sie noch einige Häutungen vor sich, so können die Beine wieder nachwachsen.

Vogel füttert Spinne an ihr Junges - Rathnavelrat commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0


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